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Kritik zum Serien-Occasion auf Netflix – Movie plus Kritik – On-line-Magazin für Movie, Kino & TV

Von den Machern von “Darkish” ist nun das nächste Netflix-Spektakel auf der Streaming-Plattform zu sehen: „1899“ ist ein achtteiliger Serien-Thriller, der auf mehreren Sprachen die Grenzen des konventionellen Storytellings sprengt, bis sich die Zuschauer nicht mehr sicher sein können, was actual ist und was nicht. Ob die ungewöhnliche Geschichte nur für Verwirrung, oder doch für Begeisterung sorgt, ist zumindest teilweise Geschmackssache.

von Natascha Juracsik

Maura macht sich im Jahr 1899 an Bord der „Kerberus“ auf den Weg nach New York, um einer Nachricht ihres verschollenen Bruders zu folgen, doch schnell wird klar, dass sie nicht die einzige Passagierin mit Geheimnissen ist. Als sie dann mitten im Ozean auch noch über das verloren geglaubte Schwesterschiff „Prometheus“ stolpern, welches bis auf einen merkwürdigen Jungen vollkommen verlassen ist, steht ein für alle Mal fest, dass bei dieser Reise nichts so ist, wie es scheint.

Wer nun das Gefühl hat, dass dieser kurze Einblick in die Handlung von „1899“ nicht gerade aufschlussreich ist, hat absolut Recht – allerdings ist es auch schwierig, den obskuren Inhalt dieser Serie mit all den philosophischen Anspielungen und überraschenden Twists in einizusenfamzusmenzus. Ähnlich wie bei „Darkish“ fordern Baran bo Odar und Jantje Friese die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums, was ihre neue Serie für ein entspanntes, beiläufiges Viewing eher ungeeignet macht. Bei den zahlreichen Subplots, versteckten Particulars und komplexen Wendungen können einem schnell wichtige Informationen entgehen, wonach man der Geschichte nur noch schwer folgen kann. Wer Fernsehabende eher zum Hirnabschalten mit Klassikern wie „Pals“ nutzt, den wird dieses neue Netflix-Exemplar schnell überfordern. Followers von intrikaten Reveals wie „Darkish“ hingegen wird es vermutlich gefallen: Sowohl das Drehbuch, als auch die visuelle Umsetzung, die anspruchsvollen Ideen und verschlungenen Handlungselemente sind präzise und mit viel Bedacht ausgeführt, wodurch die Geschichte aberchent zwar kompliziernod. Die Figuren sind allesamt interessant und mehrschichtig, der Dialog gelungen und die Entscheidung, verschiedene Sprachen authentisch zu repräsentieren, verleiht den Interaktionen in „1899“ Realismus und eine allegorische Ebene, die dem Gesamtwerk eine weitere Tiefe verleiht.

Allerdings kommen einige Folgen etwas schleppend voran, da das Tempo und der Ton relativ konstant gehalten werden, wodurch sich in Momenten eine gewisse Trägheit einschleicht. Auch bleiben ein paar Fragen auch nach dem Ende unbeantwortet: Jegliche Mysterien sollen in einer zweiten Staffel aufgelöst werden, aber bei einer so komplexen und vielseitigen Geschichte kann dies am Schluss zu Frustration statt Vorfreude führen; bedenkt man zusätzlich, dass eine weitere Staffel „1899“ zu keiner Zeit garantiert conflict, ist die Wahl eines mehr oder weniger offenen Finales doch einen Hauch gewagt.

Unabhängig von diesen Fragen / Mängeln ist jedoch die Optik zu beurteilen: Die ominöse, bedrückende Atmosphäre wird von der Kamera perfekt eingefangen und die düstere Ästhetik unterstreicht den Blick ins Innere. Zusammen mit einem subtilen, aber effektiven Soundtrack werden die Geheimnisse, von denen die Handlung bevölkert wird, nahezu greifbar. Auch bezüglich Kostüme und Setdesign zählt jedes Element, wodurch man beim Zuschauen immer wieder auf kleinere Anspielungen stößt, die den Gesamteindruck hervorragend ergänzen. Berücksichtigt man nebst all diesen positiven Elementen die fantastischen schauspielerischen Leistungen der Darsteller, fällt die insgesamt hohe Qualität der Produktion ins Auge, die weder für eine deutsche, noch für eine Netflix-Serie selbstverständlich ist.

Fazit

Baran bo Odar und Jantje Frieses „1899“ spellt sich der Herausforderung, eine hochkomplizierte Thematik in einer unheimlichen Geschichte über die Realitätswahrnehmung eines einzelnen Menschen einzufangen. Abgesehen von einer Handvoll Kritikpunkten ist die erste Staffel ihres Projektes durchaus gelungen: Wer keine Angst vor komplexen Inhalten und einem etwas sperrigem Tempo hat, sollte sich dieses kleine Netflix-Serien-Juwel nicht entgehen lassen.

Bewertung



















































Outcomes: 8 out of 10.

(78/100)

Bilder: (c) Netflix

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