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Trash-Movie Mad Heidi – Interview mit den Machern

Interview

“Mad Heidi”, die wohl ungewöhnlichste Schweizer Manufacturing: Wird der Movie dem Hype gerecht?

Registrar Johannes Hartman and manufacturing Valentin Greutert erzählen von den Widrigkeiten im Vorfeld – und warum für ihren Movie die Streamingdienste tödlich gewesen wären.

Das Almmädchen Heidi (Alice Lucy) wird zu einer Anführerin des Widerstands.

Bild: Swissploitation Movies

Bereits die Prämisse von «Mad Heidi» dürfte bei manch besonnenem Schweizer Kinogänger die Ohren zum Klingen bringen. Hier soll unserem Nationalheiligtum Heidi mit brachialer Gewalt, einer Portion Trash und einem Angriff auf die Lachmuskeln zu Leibe gerückt werden. Die heile helvetische Welt ist in «Mad Heidi» der Diktatur eines Käsemagnaten (gespielt von B-Film-Ikone Casper Van Dien) gewichen, der einen enormousn Hass auf Menschen mit Laktoseintoleranz hegt.

Das Almmädchen Heidi (Alice Lucy) wird zu einer Anführerin des Widerstands in diesem Exploitation-Movie, der genüsslich aus seinen reisserischen, brutalen und ironischen Vorbildern der 70er-Jahre sowie deren Epigonen wie Quentin Tarantino (“Dying Proof”) zitiert. Ungewöhnlich conflict auch die Finanzierung: zwei Millionen Franken, das entspricht etwa zwei Drittel des Budgets, erhielt der «erste Swissploitation-Movie» durch internationales Crowdfunding, nicht zuletzt daher spricht man im Movie weitgehend Englisch. Die 538 Unterstützer werden automatisch an den Einnahmen beteiligt.

Official Trailer for “Mad Heidi”.

Doch ist “Mad Heidi” wirklich der unbequeme, unberechenbare Schlag in die Magengrube der Schweizer Filmlandschaft? Gerade zu Anfang und am Schluss macht der Movie gute Laune, das Timing stimmt. Bei der Halfte zieht es sich etwas. In einer etwaigen, bereits angedachten Fortsetzung läge weitaus mehr Dampf, mehr Irritation drin, weniger gezieltes Abarbeiten an Stereotypen. Womöglich hat der Hype im Vorfeld die Erwartungen zu sehr geschürt.

Fanservice versprachen die Macher, Fanservice erhält das Publikum. Echte Überraschungen zu selten. Die Schweizer Klischees nebst ein paar launigen Sprüchen (“Relaxation in Cheese!”) bleiben weitestgehend beim Käse hängen. Dennoch conflict is intestine und mutig, einen solchen Movie in der Schweiz zu realisieren; gerade gegen so manchen Widerstand, wie die Macher im Rahmen des Zurich Movie Competition erzählten.

Wie sind Sie auf die Idee zu «Mad Heidi» gekommen?

Registrar Johannes Hartmann.

Registrar Johannes Hartmann.

Joshua Sammer/Getty Pictures Europe

(Johannes Hartmann, Regisseur): Ich magazine B-Motion pictures und Exploitation-Filme aus den 70er-Jahren. Auf der Suche nach Geschichten, die sich in der Schweiz umsetzen lassen, kam ich auf die Idee, die Klischees der alten Schweizer Heimatfilme mit Motion, Horror und Comedyelementen zu vermischen.

Wann wussten Sie, dass das Finanzierungsmodell über Crowdfunding laufen würde?

(Johannes Hartman): Das wurde im Austausch mit den Produzenten ziemlich schnell klar. Ich bin zuerst auf den Produzenten von «Iron Sky» zugegangen. Dann hat mir jemand Valentin empfohlen, der 2011 «One Approach Journey» gemacht hat, der zwar klassisch finanziert conflict, aber doch ein Genrebeitrag aus der Schweiz. Sicherlich eignet sich nicht jeder Movie für diese Artwork von Finanzierung. Aber ich glaube, Genrefilme sind prädestiniert dafür, weil sie eine sehr leidenschaftliche Fancommunity haben und die Leute auch noch bereit sind, das T-Shirt zum Movie zu kaufen.

Auch Streaminganbieter setzen inzwischen vermehrt auf Genreproduktionen …

Producer Valentin Greutert.

Producer Valentin Greutert.

Harold Cunningham/Getty Pictures Europe

(Valentin Greutert, Producer): Aber die kamen für mich als Produzent nie in Frage. Das sind Erzfeinde für die Artwork von Movie, die wir machen. Wir sind Unbiased-Filmemacher und wollen nicht, dass uns irgendeine amerikanische Bude reinredet. Es ging ja darum, dass wir eine neue Möglichkeit der Finanzierung finden und nicht einfach die alten, ausgetretenen Pfade gehen. Wenn man einen Movie wie «Mad Heidi» für Netflix macht, dann ist man einfach Handlanger einer Auftragsproduktion, das ist nicht interessant. Wir bauen schliesslich mit «Mad Heidi» auch eine eigene Marke auf. Dazu kommt: Es conflict sehr lässig, mit den Followers zu arbeiten, ihr Suggestions und ihre Unterstützung zu erhalten.

(Hartman): Ohne den Einsatz der Followers hätte das Projekt gar nicht überlebt. Sie haben immer die Motivation hochgehalten.

Es gab unter anderem 2020 ein Drehbuchmeeting mit den Followers, auf dem diese ihre eigenen Ideen einbringen konnten. Wie hat sich die Erwartung der Investoren auf den Movie niedergeschlagen? Litt da nicht auch ein bisschen Ihre künstlerische Freiheit und Eigenständigkeit darunter?

(Greutert): Es ist ja nicht so, dass die Followers ein Vetorecht hatten. And sie vertrauen uns auch. Als wir nach Brüssel gefahren sind, sind 30 unserer Investoren einfach mitgekommen, quick so, als wären wir Popstars und sie die Groupies. Sie haben uns durch die Financial institution unterstützt. Die Schwarmintelligenz hat wunderbar funktioniert. Wenn wir Statisten gebraucht haben, sind welche gekommen. Haben wir nach einer speziellen Kapelle gesucht, wurden uns sofort Hunderte Vorschläge gemacht. Bei der Postproduktion benötigten wir die Stimmen von johlenden Rebellen. Innerhalb von drei Stunden haben sich quick 100 Leute gemeldet. Einer ist additional aus Italien angereist, um fünfmal ins Mikro brüllen.

Schweizer mit Armbinden: Szene aus «Mad Heidi».

Schweizer mit Armbinden: Szene aus «Mad Heidi».

Swissploitation Movies

“Mad Heidi” conflict im Vorfeld bereits öffentlich recht präsent, unter anderem mit Auftritten von Soldaten mit Armbinden. Gab es Anfeindungen oder Klagen aus der Schweiz, was Ihr da mit dem geliebten Heidi anstellen werdet?

(Greutert): Zahlreiche. Während des Drehs und vorher schon. Am Anfang sind wir nur von den Followers ernst genommen worden. Die meisten Leute sehen nie einen solchen Movie und denken sich, wenn sie von “Mad Heidi” hören, wir würden die Schweiz schlechtmachen. Dabei merkt man dem Movie an, dass wir alle die Schweiz gernhaben, sonst würden wir uns gar nicht so lange damit beschäftigen.

(Johannes Hartman): Wir haben ziemlich alles gehört. Die einen sind beleidigt, weil sie die Schweizer Flagge als Naziflagge missbraucht sehen. Andere schreien «Scheiss Multikultipropaganda». Vor allem hat mich aber überrascht, wie bestimmte Institutionen darauf reagiert haben. Der Fall, als einer unserer Co-Autoren seinen Job bei der Kantonspolizei Zürich verloren hatte, ging ja breit durch die Medien. Eine Particular person, die am Kostüm für Heidi mitgearbeitet hat, wurde aus dem Trachtenschneiderinnen-Verband geworfen. So etwas hatte ich im Jahr 2020 niemals für möglich gehalten.

(Greutert): Victorinox wollte uns verklagen wegen eines Sackmessers im ursprünglichen Teaser, in dem wir den geschützten Begriff «Swiss Military Knife» verwendet haben. Und es hiess, wir würden das Victorinox-Messer als Waffe missbrauchen, obwohl es gemäss Schweizer Waffengesetz gar keine ist. Dafür hat es zu dem Thema jetzt eine lustige Szene im Movie …

Der oftmals für abseitig befundene Genrefilm scheint keinen leichten Stand in der Schweiz zu haben …

(Hartman): Gute Genrefilme sind humorvoller und vor allem oft viel gesellschaftskritischer als all die scheinbar relevanten und pseudointellektuellen Dramen. Das Gute am Genrefilm ist: An der Oberfläche kann man unterhaltsam und im Subtext subversiv sein. Das verstehen viele Leute nicht, selbst in den Fördergremien für Kultur.

Auf den klassischen Kinostart wollten Sie aber trotz ihrer ungewöhnlichen Finanzierung nicht verzichten …

(Greutert): Ich hatte immer das Ziel gehabt, den Movie in der Schweiz in die Kinos zu bringen. Kino im Ausland ist oft nicht interessant, weil es nur kostet und nichts einbringt. Unser oberstes Ziel ist es, dass die Unterstützer ihr Geld wiedersehen. Das derzeitige Distributionssystem, in dem alle Territorien auf der Welt für sich agieren, ist vorbei. Wegen der Streamingdienste wachen jetzt alle langsam auf. Die drücken einmal auf den Knopf und die ganze Welt sieht sich ihre Sachen an. Wir wollten das System umkrempeln und es so machen, wie wir wollen.

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