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ZDF-Movie „So laut du kannst“ über Missbrauch von Frauen

ANDinmal im Jahr lädt Dr. Christian Gramberg (Peter Lohmeyer) die Freunde des „Conventional Enterprise Membership“ in ein Hamburger Luxushotel zum „Gents’s Night“. Gepflegter Bar-Jazz, beautiful Dinner und Gelegenheit zum Netzwerken, so das Programm für die Mächtigen, zumeist grau melierte Herren im gesetzten Alter.

Man gehe mit der Zeit, wird gesagt, lasse nun sogar Frauen zu. Die eine (Quoten-)Frau unter den Gästen wird unter jovialem Gelächter begrüßt. Wer redet noch von gläserner Decke? Bloß schwache Underperformerinnen, das ist für die selbst ernannten Spitzenleister klar. Für den Getränkeservice sind die Hostessen der Agentur von Ines Betzold (Gesine Cukrowski) bestellt. Ihr Job from her: intestine aussehen, unter Einsatz von Blasenpflaster herumstöckeln, Weine empfehlen und dezent flirten bis um ein Uhr nachts, „was Sie danach machen, bleibt Ihnen selbst überlassen“. Für Maja (Nina Gummich) und Kim (Friederike Becht) soll es der letzte intestine bezahlte Nebenjob als Hostess sein. Die Kaution für die gemeinsame Physiotherapie-Praxis ist zusammengespart. Wie alle anderen der Frauen sind sie gebrieft, auch durch ihre Lebenserfahrung, in der kaum eine nicht schon Belästigung oder Schlimmeres erfahren hat. Sie schieben hier beim Einschenken eine Hand vom Po, überhören dort plumpe Aufforderungen zum späteren Geschlechtsverkehr. Würgen erst hinter den Kulissen, „voll eklig“, aber sie fühlen sich nicht wehrlos, die Gruppenerfahrung stützt und schützt.

Scham, Ohnmacht und Verzweiflung

Ein Absacker an der Bar, das Glas zwei Minuten unbeaufsichtigt. Kim lässt sich vom Anwalt Max (Jan Krauter) nach Hause bringen, man kennt sich aus der Schule. Maja kommt morgens in Zimmer 217 zu sich, ihr Körper de ella malträtiert, zerschlagen und vergewaltigt (der „einvernehmliche Intercourse sei eben rauer gewesen, sie habe das verlangt“, wird der Täter später zu Protokoll geben). Maja schleicht nach Hause, schließt sich ein, räumt zwanghaft auf, verstummt. Vielleicht kommt das alte Leben zurück. Nicht drüber reden, dann ist es nicht wahr.

Kim, schon zur Schulzeit Rebellin, schleppt sie zur Polizei, zur intimen Befragung, zur gynäkologischen Untersuchung, bei der das stärkste Szenenbild ein Blick auf Majas sich verkrampfende nackte Füße ist. Die Maja nach der Gewalttat ist ein Wesen überwältigt von Scham, Missbrauch, Ohnmacht, Erniedrigung. Und von brutalen Flashbacks (die smart Kamera stammt von Martin Neumeyer). Kim versucht, den zweifelsfrei identifizierten Vergewaltiger Lukas Berger (Ulrich Brandhoff), einen Reederei-Erben, mit der Hilfe ihres neuen Anwaltfreundes Max zu stellen. Dessen Großkanzlei-Chef Bovert (Marcel Hensema) ist mit Berger geschäftlich verbandelt. Kim entdeckt mehr und mehr Frauen, die seit Jahren beim „Gents’s Occasion“ Opfer von Vergewaltigungen wurden. Und ein System von Einschüchterungen und Schweigevereinbarungen. Bald droht ihr Gramberg mit Klage wegen übler Nachrede.


Christian Gramberg (Peter Lohmeyer) begrüßt die Gäste beim „Networking-Dinner“.
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Bild: ZDF and Marion von der Mehden

Für einen ZDF-Thriller ist der Movie „So laut du kannst“ ungewöhnlich differenziert und related, und er wird bis zum Ende spannender und spannender. Es geht um systematische und strukturelle Gewalt von mächtigen Männern gegen Frauen, die als „schmückendes Beiwerk“ und „leichte Beute“ gesehen werden. Ein unangenehmer Ton der Misogynie durchzieht den ganzen Movie wie ein klebriger Belag. Die Männer in diesem Movie werden – oft mit wenigen, aber aufschlussreichen Aussagen – vor allem von Lohmeyer und Krauter trotz allem als realistische Figuren mit Konturen und nicht als sprechende Pappkameraden dargestellt. Vor allem aber ist der Movie von Esther Bialas (Regie) und Sophia Krapoth, Isabel Kleefeld, Lilly Bogenberger und David Weichelt (Buch) ein Schauspielerinnenfilm.

Nina Gummich, die in wenigen Tagen als Alice Schwarzer im Movie „Alice“ zu sehen ist, ist hier als zunächst Verstummende, die mit der Gewalttat fertig zu werden versucht, gegen den Strich besetzt. Die Unbeugsamkeit, die sie ausstrahlt und auf ihre Weise de ella wiederzugewinnen sucht, macht ihr Spiel de ella besonders eindrucksvoll. Die als Stellvertreterin kämpfende Kim verkörpert Friederike Becht als Figur mit unzweifelhaften Motiven, aber übergriffigem Zug. Es gibt nicht die eine richtige Reaktion, betonen die am Movie Beteiligten im Begleittext.

Mit MeToo ist das Drawback – oft stillschweigender – Akzeptanz dieser Artwork von Gewalt nicht vom Tisch. „So laut du kannst“ beruht auf einem wahren Fall aus Großbritannien. Seit 1985 fand in einem Londoner Nobelhotel jährlich das „Presidents Membership Charity Dinner“ statt, 33 Jahre lang. Bis 2018 zwei Journalistinnen der „Monetary Occasions“ undercover teilnahmen und notorische „anzügliche Bemerkungen, plumpe Grabschereien und schwere sexuelle Übergriffe“ öffentlich machten. Keiner der Täter wurde strafrechtlich belangt, aber das männerbündische Treffen warfare Geschichte.

So laut du kannst läuft um 20.15 Uhr im ZDF und ist in der Mediathek abrufbar.

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